Kapitalmarkt und Börse
Von Bullen und Bären
„Das Verhältnis von Börse und Wirtschaft ist wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund. Der Mann geht langsam vorwärts, der Hund rennt vor und zurück. Aber beide bewegen sich in die gleiche Richtung. Der Mann ist die Wirtschaft, der Hund die Börse.“ (André Kostolany, US-amerikanischer Finanzexperte)
Die Börse - Dreh- und Angelpunkt einer modernen Volkswirtschaft
Börsen - welche gibt es?
Die Wertpapierarten
Vorhersehbare Kursentwicklung?
Anregungen zum Thema
Die Börse - Dreh- und Angelpunkt einer modernen Volkswirtschaft
Je größer der Kapitalbedarf in einer Volkswirtschaft ist, umso mehr ist sie darauf angewiesen, dass sich möglichst viele Anleger an der Bildung und Zufuhr von Kapital für die Unternehmen beteiligen. Das funktioniert so: Die Unternehmen, die Kapital benötigen, geben Wertpapiere aus. Die Anleger kaufen die Wertpapiere, und der Kaufpreis fließt in das Unternehmen.
Die börsennotierten Wertpapiere haben täglich wechselnde Preise, Kurse genannt, die sich aus Angebot und Nachfrage bilden. Will ein Anleger seine Wertpapiere wechseln oder sein Kapital zurückhaben, verkauft er diese über die Börse an jemand anderen. Durch diesen Wechsel der Kapitalgeber untereinander ist es möglich, dass pro Tag mehrere Millionen Wertpapiere den Besitzer wechseln können. Mittlerweile haben rund 25 Prozent aller Deutschen Wertpapiere.
Man unterscheidet zwischen Wertpapieren, die für die Unternehmen Fremdkapital darstellen und solchen, die Eigenkapital anbieten. Eigenkapitalpapiere wie die Aktie sind für Anleger riskanter, da sie nicht nur am Gewinn, sondern auch am Verlust beteiligt sind. Fremdkapitalpapiere, wie zum Beispiel Anleihen, bieten dem Anleger keine Gewinnbeteiligung, werfen dafür aber regelmäßig Zinsen ab.

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Börsen - welche gibt es?
Die Börse ist ein öffentlicher, das heißt für alle zugänglicher, aber zugleich streng reglementierter Marktplatz, auf dem Angebot und Nachfrage zusammenfließen. Wer Börse sagt, meint zumeist die Wertpapierbörse. Es gibt natürlich noch andere Börsen, wie zum Beispiel Warenbörsen für Getreide, Vieh, Kaffee oder auch die Strombörse. Die Wertpapierbörse Frankfurt ist die mit Abstand größte und umsatzstärkste Börse in Deutschland. Dort werden allein Aktien von mehr als 6.200 Unternehmen gehandelt. Neben Aktien werden weitere rund 8.000 festverzinsliche Wertpapiere gehandelt.
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Die Wertpapierarten
Wertpapiere sind Urkunden, die ein geldwertes Recht verbriefen, das der Inhaber gegen Vorlage der Urkunde geltend machen kann.
Festverzinsliche Wertpapiere ...
… (kurz: „Rentenpapiere“) sind mit einer Laufzeit von etwa fünf bis zehn Jahren und einem festen Zinssatz ausgestattet. Beispiele sind Anleihen von Bund, Ländern und Unternehmen: Diese erhalten durch den Verkauf von Anleihen dringend benötigtes Geld, und der Anleger bekommt dafür als Gegenleistung Zinsen.
Aktien ...
… verbriefen eine Beteiligung am Eigenkapital des Unternehmens. Wer eine Aktie erwirbt, beteiligt sich daher unmittelbar als (Teil-)Eigentümer am Unternehmen. Der Aktionär trägt als Eigentümer das Risiko, sein Geld zu verlieren, partizipiert aber auch im Gegenzug unbegrenzt am Gewinn. Risiko und Chance sind bei Aktien daher deutlich höher als bei Rentenpapieren. Der Gewinn des Unternehmens wird in der Regel in Form einer Dividende einmal pro Jahr ausgeschüttet.
Investmentfondsanteile ...
… (auch Fondsanteile) verbriefen ein Miteigentum an einem Investmentfonds. Die Anlagemittel vieler Sparer werden zusammengefasst und gemeinsam, je nach Ausrichtung des Fonds, in unterschiedliche Wertpapiere oder Immobilien investiert. Die Anteile selbst werden in der Regel nicht an der Börse gehandelt, ihr Wert hängt aber von den Kursentwicklungen der zum Fondsvermögen gehörenden Wertpapiere und den Wertentwicklungen von Immobilien ab.
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Vorhersehbare Kursentwicklung?
Das Auf und Ab der Börse kann anhand der Entwicklung des Aktienindex verfolgt werden. Die Kunst des Anlegers ist es, zum richtigen Zeitpunkt zu kaufen und zu verkaufen. Um herauszufinden, ob ein Wertpapier gekauft werden sollte oder nicht, ziehen Fachleute unter anderem die sogenannte „Fundamentalanalyse“ heran. Sie beruht auf der Annahme, dass Kurse von gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Konjunktur, Preisentwicklung), politischen Verhältnissen (Regierungsprogramme, Unruhen), Branchenbesonderheiten (Auftragslage, Branchenzyklus, Wettbewerb) und schließlich von Gewinn- und Wachstumsmöglichkeiten (Innovationen, neue Produkte) des jeweiligen Wertpapiers beziehungsweise Unternehmens abhängen.

Zuerst untersuchen die Fundamentalanalysten die gesamtwirtschaftlichen und branchenspezifischen Entwicklungen. Aus diesen Informationen versuchen sie eine allgemeine Trendaussage zu ermitteln. Dann wird das einzelne Unternehmen auf seine Strategie, Ertragssituation und Geschäftsentwicklung hin analysiert. Aus diesen Daten leiten die Fachleute schließlich die Kursprognosen ab.
Fundamentalanalyse
1. Gesamtwirtschaftliche Analyse: Konjunktur, Zinsen, Preise/Inflation
2. Branchenanalyse: Auftragslage, Branchenentwicklung, neue Technologien, Markteintrittsbarrieren
3. Unternehmensanalyse: Strategie, Managementqualität, Wachstum/Gewinn
Eine weitere wesentliche Analysemethode ist die „Technische Analyse“ (auch: Chartanalyse). Sie wird vor allem zur Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren herangezogen. Dabei wird versucht, anhand vergangener Kursverläufe die künftige Kursentwicklung vorherzusagen.
Schon gewusst?
Der Begriff „Börse“ stammt aus dem 15. Jahrhundert aus dem belgischen Brügge. Er umschrieb eine regelmäßige Versammlung reicher italienischer Händler auf dem Platz „ter burse“. Benannt war dieser Marktplatz nach der dort ansässigen Kaufmannsfamilie „van der Burse“.
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Anregungen zum Thema
• Wie kommt ein Unternehmen an die Börse? Erarbeiten Sie die wichtigsten Schritte mit dem gleichnamigen „Hoch im Kurs-Arbeitsblatt“.
• Welche Chancen und Risiken ergeben sich bei der Beteiligung an Aktiengesellschaften?
• Was müssen Sie tun, um Wertpapiere über die Börse kaufen zu können? Erkundigen Sie sich bei Banken, Sparkassen oder im Internet unter www.hoch-im-kurs.de.
• „Das Bank- und Börsen ABC“, Bundesverband deutscher Banken (Hrsg.), Schul|Bank, Bank-Verlag Köln, 2006 (kostenlos für Lehrkräfte)
• „Aktien-Einsteigerbuch“, Stefan Horn, TM Börsenverlag, Rosenheim 2006 (Euro 14,95)
• Infos zu den wichtigsten Indikatoren der Kursprognose
gibt es im Bereich „Börsenkurse verstehen“.
• Auf der Internetplattform der Gruppe Deutsche Börse www.deutsche-boerse.com können sich Anleger über tagesaktuelle Börsenkurse, Meldungen und die wichtigsten Aktien informieren.
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