Vermögensaufbau II
Zeit bringt Geld
Anlageformen haben ganz unterschiedliche Ertragschancen. Die Faustformel lautet: Hohe Sicherheit ist meist mit niedrigerem Ertrag verbunden, und hohes Risiko bietet oftmals die Chance auf höheren Ertrag.Wie aus Geld viel Geld werden kannDer Zinseszins – Turbo fürs VermögenWie berechnet sich die Rendite bei Wertpapieren?Rendite-Prognose Anregungen zum ThemaWie aus Geld viel Geld werden kannWer früh anfängt, Geld anzulegen, hat zwei Verbündete: die Zeit und den Zins. Als Zins wird der Preis bezeichnet, den ein Kapitalnehmer (Schuldner) einem Kapitalgeber (Gläubiger) dafür zahlen muss, dass dieser ihm für eine bestimmte Zeit einen gewissen Geldbetrag überlässt. Die Höhe des Betrags, den der Schuldner als Zinsaufwand zahlt und der Gläubiger als Zinsertrag erhält, hängt davon ab, wie viel Geld wie lange und zu welchem Zinssatz angelegt wird. Zinsen erhält man bei allen kreditähnlichen Anlageformen.
Der Zinsertrag ist also abhängig von der Höhe des überlassenen Kapitals, der Dauer der Überlassung („i“ steht immer für Zeit in ganzen Jahren) und vom Zinssatz. Der Zinssatz wird üblicherweise in Prozent pro Jahr angegeben (kurz: p.a. = per annum).
Beispiel:
Sie legen 300 Euro auf Ihrem Sparbuch zum jährlichen Zinssatz von zwei Prozent an. Am Ende des ersten Jahres erhalten Sie:
300 Euro x 1 Jahr x 2/100 = 6 Euro Zinsen.
Ist die Anlagezeit kürzer als ein Jahr, rechnet man genau nach Tagen (t), wobei der Monat vereinfacht mit 30 Tagen und das Jahr mit 360 Tagen gerechnet wird. In unserem Beispiel beträgt der Zins nach drei Monaten (also einem Vierteljahr) 1,50 Euro:
300 Euro x 90/360 x 2/100 = 1,50 Euro.
Nach obenDer Zinseszins – Turbo fürs VermögenWird der Zins (Ertrag) am Ende eines Jahres fällig und nicht ausgezahlt, sondern wieder dem Konto gutgeschrieben, bedeutet dies, dass im zweiten Jahr nicht nur der Kapitalbetrag verzinst wird, sondern der Zins des ersten Jahres gleich mit. Dieser Zins auf die Zinsen heißt Zinseszins.
Die Formel ist zwar nicht ganz so einfach, aber für jede zinsbringende Geldanlage, die über ein Jahr hinausgeht, relevant. Anfänglich ist der
Zinseszins-Effekt nicht so stark, wächst aber unaufhörlich.
(Bild anzeigen) Nach obenWie berechnet sich die Rendite bei Wertpapieren? Bei
Wertpapieren besteht der Ertrag der Anlage neben Kursgewinnen (oder auch Kursverlusten) aus:
•
Dividenden bei
Aktien,
• Zinsen bei
festverzinslichen Wertpapieren,
• Mieteinnahmen bei Immobilien,
• Ausschüttungen bei
Fonds. Je nach Fondsart setzt sich die Ausschüttung aus den oben genannten Erträgen zusammen.
Der Zinssatz reicht als Messgröße für den Ertrag aus der Wertpapieranlage nicht aus. Aktien haben gar keine Verzinsung, sondern schütten Gewinne aus. Kursveränderungen und unterschiedliche Laufzeiten erschweren eine Vergleichbarkeit. Zur besseren Ertragsmessung ermittelt man daher die
Rendite. Sie ermittelt den Ertrag bezogen auf den Kapitaleinsatz und zwar immer pro Jahr (p.a.). So lassen sich alle Anlageformen gut miteinander vergleichen.
Ist eine Rendite von sechs Prozent im Jahr jetzt viel oder wenig, gut oder schlecht? Unabhängig von den subjektiven Einschätzungen benutzt man gerade bei Aktien und Fonds sogenannte „Indizes“ als Vergleichsmaßstab (im Fachjargon:
Benchmark). Bei deutschen Aktien ist dies insbesondere der
DAX 30 (Deutscher Aktienindex). Hat sich der DAX 30 nun beispielsweise um fünf Prozent verbessert, sind die oben genannten sechs Prozent ein guter Wert, denn er liegt über diesem
Index.
Stellen Sie sich vor, Sie legen 2.000 Euro bei einem Zinssatz von vier Prozent im Jahr an. Nach zehn Jahren hätte sich der Betrag allein aufgrund des Zinseszinses auf 2.960 Euro erhöht.
Nach obenRendite-PrognoseWie rentabel Aktien oder ein Fonds letztlich sind, lässt sich im Vorfeld nicht prognostizieren. Kursschwankungen sind nicht präzise vorauszusehen und bei Anlage in Aktien unvermeidlich.
Welche Faktoren einen Kurs beeinfl ussen können, verdeutlicht der folgende Börsenkommentar:
„Nach Monaten immer neuer Negativmeldungen sind die Anleger tief verunsichert. Der Kollaps des internationalen Bankensektors, gefolgt von Schwierigkeiten der Realwirtschaft und den Wertverlusten vieler Währungen ließ die Börsenkurse einbrechen. Der DAX fi el zeitweise um fast die Hälfte, verglichen mit dem Höchststand im Jahr 2007. Eine drohende Rezession schürt neue Ängste. Doch weltweite Zinssenkungen und Konjunkturprogramme vieler Regierungen sollten die Kurse eigentlich wieder nach oben ziehen. Der gefallene Ölpreis entlastet und viele Standardwerte an den Börsen sind unterbewertet. Jetzt also einsteigen und auf steigende Kurse setzen oder abwarten?“
(Stand: November 2008)
Schon gewusst?
Bei Wertpapieranlagen, deren Erträge im Zeitablauf sehr stark schwanken können, führt ein Anlagezeitraum über mehrere Jahre hinweg zu einer Glättung der Ausschläge und damit zu einer besseren Risikoverteilung.Nach obenAnregungen zum Thema Weiterdenken!• Vorausgesetzt, Sie haben ein Sparbuch: Wissen Sie, wie viel Geld Sie dort zu welchem Zinssatz liegen haben? Berechnen Sie, wie hoch die Summe mit Zins und Zinseszins in zehn Jahren sein wird.
• Lesen Sie den Börsenkommentar. Welche Faktoren beeinflussen die Börsenkurse? Welche Anhaltspunkte finden Anleger für ihre Anlageentscheidung?
• Erweitern Sie Ihr Wissen zum Thema Rendite von Geldanlagen mit dem Arbeitsblatt
„Rentabilität“.
Zum Nachlesen• „Kanon der finanziellen Allgemeinbildung“, Commerzbank Ideenlabor (Hrsg.), Frankfurt a. M. 2004 (kostenlos)
• Das Kapitel
„Vermögensaufbau III: Renditen beurteilen“ erklärt unter anderem, wie die Europäische Zentralbank das Zinsniveau steuert.
Internet• Mit dem
Renditerechner können Berechnungen zum Zins und Zinseszins vorgenommen werden.
• Die Website
www.boerse.ard.de gibt aktuelle Entwicklungen, Meldungen und Börsentrends wider.
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