Sparen ist gut - konsumieren auch


| Bild: | Redensarten wie „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ oder „Geiz ist geil!“ kennt jeder. Schon Kinder lernen, dass derjenige, der spart, klug handelt und vorausschauend für die Zukunft vorsorgt. Für den Einzelnen ist Sparen somit wichtig und gut. Mitten in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise liest man aber auch Schlagzeilen wie „Sparen die Deutschen die Wirtschaft kaputt?“ oder „Warum ist Sparen nicht immer eine Tugend?“ Sparen die Deutschen zuviel?

Konsum und Sparen im Wirtschaftskreislauf
Konjunktur und Wirtschaftswachstum
Konsum- und Sparverhalten in der Konjunktur
Staatliche Konjunkturpolitik
Anregungen zum Thema


Konsum und Sparen im Wirtschaftskreislauf
Im vereinfachten Modell des Wirtschaftskreislaufs* (siehe auch das Arbeitsblatt Wirtschaftskreisläufe und die Themen Geld und Wirtschaft und Wirtschaftskreisläufe) haben die privaten Haushalte die Wahl, ihr Geld entweder für Konsum, d.h. den Kauf von Waren und Dienstleistungen auszugeben oder es alternativ bei Banken anzulegen und zu sparen. Da sie ihr Geld, das sie von den Unternehmen als Lohn für ihre Arbeit erhalten, nur einmal ausgeben können, bedeutet Sparen im volkswirtschaftlichen Sinn zugleich Konsumverzicht.

Die Ersparnisse der Haushalte, die bei den Banken angelegt werden, sind wiederum wichtig für die Unternehmen. Die Banken reichen das Gesparte in Form von Krediten an Unternehmen weiter, die damit Investitionen, z.B. zur Verbesserung der Produktionsbedingungen oder zur Entwicklung neuer Produkte tätigen können. Dafür benötigen sie wieder Arbeitskräfte und zahlen Löhne. Der Kreislauf beginnt von Neuem.
(*In diesem vereinfachten Modell fehlen der Staat sowie das Ausland als weitere Teilnehmer.)

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Konjunktur und Wirtschaftswachstum
Der Begriff Konjunktur bezeichnet das ständige Auf und Ab der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einer Volkswirtschaft. Das Wachstum – gemessen an der jährlichen Veränderung des Sozialprodukts - läuft üblicherweise wellenförmig in vier Phasen ab. Ein kompletter Konjunkturzyklus, bestehend aus Aufschwung (Expansion), Hochkonjunktur (Boom), Abschwung (Rezession) und Krise (Depression) dauert etwa 4 bis 7 Jahre.


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Konsum- und Sparverhalten in der Konjunktur
In guten Zeiten gibt man gerne Geld aus und gönnt sich etwas. Die Menschen haben sichere Arbeitsplätze und die Löhne steigen. Aufschwung- und Boomphasen sind daher auch immer gute Zeiten für Restaurants, Kaufhäuser, Reisebüros, Modegeschäfte oder Autohäuser. Droht ein Abschwung oder gar eine Krise ändert sich das Konsumverhalten, da die Menschen sorgenvoller in die Zukunft schauen und nicht wissen, was auf sie zukommt. Man geht auf Nummer sicher und legt wieder mehr Geld zurück. Die Sparquote, d.h. der Anteil des Sparens am verfügbaren Einkommen, steigt.

Der Rückgang der Konsumausgaben bringt nach und nach die Unternehmen, die diese Konsumgüter anbieten, in Schwierigkeiten. Aufgrund der fehlenden Nachfrage verdienen sie weniger, müssen möglicherweise Mitarbeiter entlassen und können weniger Investitionen tätigen. Dadurch schwappt die Krise auch in andere Branchen über, z.B. in die der Zulieferer oder des Maschinenbaus und eine Abwärtsspirale beginnt.


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Staatliche Konjunkturpolitik
Durch den Einsatz wirtschaftspolitischer Maßnahmen versucht der Staat das Verhalten aller Wirtschaftsteilnehmer so zu steuern, dass Rezessionen und Krisen möglichst gar nicht erst eintreten. Über die Art und Weise der besten Konjunktursteuerung diskutieren Politiker und Wirtschaftsexperten seit Jahrzehnten kontrovers. Man unterscheidet zwei Ansätze:
• die nachfrageorientierte Konjunkturpolitik
• die angebotsorientierte Konjunkturpolitik

Die Vertreter der nachfrageorientierten Konjunkturpolitik sehen eine zu geringe Nachfrage als Hauptursache einer Wirtschaftsschwäche an. Wenn die private Nachfrage als Stütze der Konjunktur ausbleibt, so die Befürworter, müsse der Staat durch öffentliche Aufträge und besondere Konjunkturpakete die Lücke schließen und die Nachfrage wieder ankurbeln. Auf diese Weise könnten Unternehmen gestützt und Arbeitsplätze gerettet werden. Sparen wird hier als Konsumverzicht und daher als nachteilig für die Wirtschaftslage gewertet.

Schon gewusst:
Der nachfrageorientierte Ansatz wird nach dem britischen Nationalökonom John Maynard Keynes, der erstmals in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre die Forderung nach staatlichen Konjunktureingriffen stellte, auch Keynesianismus genannt.


Die Vertreter der Angebotspolitik sehen die Ursache für eine Wachstumsschwäche nicht auf der Nachfrage-, sondern auf der Angebotsseite. Sie vertreten die Auffassung, dass Rezessionen auf zu geringe Investitionen seitens der Unternehmen zurückzuführen seien. Um die Investitionstätigkeit wieder anzukurbeln müsse ausreichender Handlungsspielraum für die Unternehmen geschaffen werden, z.B. durch Steuersenkungen. Der Staat solle nur Anreize für die Unternehmen schaffen, aber nicht selbst in den Marktmechanismus eingreifen. Die Befürworter dieses Ansatzes sehen Sparen als unverzichtbare Grundlage für die Investitionen der Unternehmen an. Erst wenn es den Unternehmen wieder gut gehe, so die Argumentation, könnten auch die privaten Haushalte wieder mehr verdienen und konsumieren.


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Anregungen zum Thema


| Bild: | Weiterdenken!


• Bei der Bekämpfung der aktuellen Krise 2008/2009 beschloss die Politik nicht nur in Deutschland, sondern auch in den meisten anderen Industrienationen, sehr umfangreiche Konjunkturprogramme. Überlegen Sie Vor- und Nachteile von staatlichen Konjunkturprogrammen jeweils aus der Sicht des nachfrage- und des angebotsorientierten Ansatzes.

• In den Jahren 2008 und 2009 ist die deutsche Sparquote auf fast 12% des verfügbaren Einkommens deutlich angestiegen. Im Jahr 2000 betrug sie noch 9%. (Quelle: Deutsche Bundesbank). Was könnten die Gründe für diese Entwicklung sein?

• Bearbeiten Sie das Arbeitsblatt Konjunktur und Geldanlage und erfahren Sie mehr über den Einfluss von Sparen und Konsumieren auf die wirtschaftliche Entwicklung.


| Bild: | Zum Nachlesen


• Erweitern Sie Ihr Wissen mit den Hoch-im-Kurs-Themen Geld und Wirtschaft und Wirtschaftskreisläufe.


| Bild: | Internet


Sparen die Deutschen die Wirtschaft kaputt? (Quelle: Focus Online, 17.08.2008)

• Homepage der Deutschen Bundesbank: www.bundesbank.de

Vermögensbildung in Deutschland nur wenig von der Finanzmarktkrise beeinträchtigt (Quelle: Bundesverband deutscher Banken, www.bankenverband.de)


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